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In der Mathematik ist ein Verband eine bestimmte algebraische Struktur mit zwei Verknüpfungen bzw. eine halbgeordnete Menge mit bestimmten Eigenschaften.
| Inhaltsverzeichnis |
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1 Definition
2 Ordnungsstruktur
3 Spezielle Verbände
4 Homomorphismen und Unterverbände
5 Beispiele für Verbände
5.1 Total geordnete Menge
5.2 Teilerverband
5.3 Teilmengenverband
5.4 Untergruppenverband
5.5 Diagramme einiger Verbände
6 Begriffe im Zusammenhang mit
Verbänden
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Definition
Ein (algebraischer) Verband (V, ,
) ist eine nichtleere Menge V mit zwei
inneren binären Verknüpfungen (Durchschnitt, engl. meet, Infimum) und (Vereinigung, engl. join, Supremum), die folgenden
Bedingungen für alle u, v, w aus V genügen:
Kommutativität:
- u
v = v
u, und
- u
v = v
u;
Assoziativität:
- u
( v w ) = ( u v ) w, und
- u
( v w ) = ( u v ) w;
Absorptionsgesetze:
- u
( u v ) = u, und
- u
( u v ) = u.
Aus diesen Bedingungen folgt die Idempotenz beider
Verknüpfungen:
- u
u = u, und
- u
u = u.
V ist also bezüglich jeder einzelnen Verknüpfung eine kommutative Halbgruppe, in der jedes Element idempotent ist. Die Verknüpfungen treten bei den Absorptionsgesetzen in
Wechselwirkung.
Vertauscht man die beiden Verknüpfungen, erhält man den zu V dualen Verband.
Ordnungsstruktur
Mit dem Absorptionsgesetz erkennt man die Gültigkeit der Äquivalenz
- v
w = v gdw. v
w = w.
Man kann auf V eine partielle Ordnung definieren
durch
- v ? w genau dann, wenn v
w = v.
Bezüglich dieser Halbordnung hat jede zweielementige Teilmenge {v, w} ein Supremum s = v
w und ein Infimum i = v w. Dabei ist ein Element s ein Supremum von {v, w}, wenn gilt
- v ? s und w ? s(d.h. s ist obere Schranke)
- aus v ? t und w ? t folgt s ? t (d.h. s ist die kleinste obere
Schranke).
Analoges gilt für das Infimum i. Man kann per Induktion zeigen, dass jede nichtleere endliche Teilmenge ein Supremum und ein Infimum hat. Man
schreibt das Supremum einer (endlichen) Teilmenge M als M, und das Infimum von M als M.
Umgekehrt kann man für eine halbgeordnete Menge, bei der jede zweielementige Teilmenge ein Infimum und ein Supremum hat, zwei
Verknüpfungen definieren, die die Verbandsaxiome erfüllen.
Die Ordnung des dualen Verbandes ist die umgekehrte Ordnung (aus kleinergleich wird größergleich).
Hasse-Diagramme
Eine endliche halbgeordnete Menge (M, ?) kann man durch einen gerichteten Graphen darstellen, den man Hasse-Diagramm nennt. Dieser Graph enthält alle Elemente von
M als Knoten. Die Kanten werden nach folgender Regel eingefügt:
- Sind a und b Elemente von M, so dass a < b ist und es kein Element zwischen
a und b gibt (d.h. kein c mit a < c < b), dann geht von a
nach b eine Kante.
Solch ein Graph ist zyklenfrei und man kann seine Knoten so anordnen, dass alle Kanten "von unten nach oben" gerichtet sind.
Ist also a < b, dann ist a unterhalb von b und durch eine Kante mit b verbunden.
Einige solcher Diagramme sind weiter unten angegeben.
Vom Aussehen diese Diagramme leitet sich der englische Name lattice (Gitter) für Verband ab.
Spezielle Verbände
Im folgenden meinen wir mit dem "Verband V" stets den Verband (V, , ).
Ein Verband V heißt vollständig, wenn jede (auch unendliche und die leere) Teilmenge ein Supremum und ein Infimum hat.
Es genügt, für jede Teilmenge die Existenz des Supremums zu verlangen, denn es ist

Ein Verband V heißt distributiv, wenn jede Verknüpfung distributiv über der anderen ist, d.h.
- u
(v w) = (u v) (u w)
- u
(v w) = (u v) (u w)
Falls die Verknüpfung ein neutrales Element 1 hat,
- a
1 = a,
dann nennt man es das Einselement des Verbandes. Es ist eindeutig bestimmt und bzgl. der Ordnung das größte
Element. Außerdem gilt
- a
1 = 1.
Man nennt den Verband dann nach oben beschränkt.
Falls die Verknüpfung ein neutrales Element 0
hat,
- a
0 = a,
dann nennt man es das Nullelement des Verbandes. Es ist eindeutig bestimmt und bzgl. der Ordnung das kleinste
Element. Außerdem gilt
- a
0 = 0.
Man nennt den Verband dann nach unten beschränkt.
Das neutrale Element der einen Verknüpfung ist also ein absorbierendes Element der anderen Verknüpfung. Ein Verband
heißt beschränkt, wenn er nach oben und nach unten beschränkt ist, also für beide Verknüpfungen ein neutrales
Element hat.
Für ein gegebenes Element a eines beschränkten Verbandes nennt man ein Element b mit der Eigenschaft
- a
b = 0 und a
b = 1
ein Komplement von a. Ein beschränkter Verband, in dem jedes Element ein Komplement hat, heißt
komplementär.
Ein distributiver komplementärer Verband heißt Boolesche
Algebra oder Boolescher Verband.
Eigenschaften
Jeder vollständige Verband V ist beschränkt mit

als Einselement und

als Nullelement.
Jeder endliche Verband V ist vollständig und beschränkt mit 1 und 0 wie eben.
In einem distributiven beschränkten Verband ist das Komplement eines Elements a im Falle seiner Existenz eindeutig
bestimmt, man schreibt es oft als ac (vor allem bei Teilmengenverbänden) oder ¬a (vor allem bei
Anwendungen in der Logik).
- Beweis: Angenommen, b und c wären verschiedene Komplemente von a, dann ist auch
d := b
c ein
Komplement von a (folgt mit Distributivität). Es ist d?b und d?c, o.E. sei
d<b. Dann ist b
(d a) = b und
(b d) (b a) = d, im Widerspruch zur Distributivität.
Ist der Verband jedoch nicht distributiv, kann es mehrere Komplemente geben, ein Beispiel wird unten gegeben.
In einem distributiven beschränkten Verband gilt
- ¬0 = 1, ¬1 = 0.
Falls a ein Komplement ¬a hat, dann hat auch ¬a ein Komplement, nämlich:
- ¬(¬a) = a.
Für weitere Eigenschaften Boolescher Verbände siehe dort.
Homomorphismen und Unterverbände
Sind (V, ^, v) und (W, ,
) zwei Verbände und f: V
-> W eine Funktion, so dass für
alle a, b aus V gilt
- f(a ^ b) = f(a)
f(b)
- f(a v b) = f(a)
f(b)
dann heißt f Verbands-Homomorphismus. Ist f zusätzlich bijektiv, dann heißt f Isomorphismus und die Verbände V und
W sind isomorph.
Die Klasse aller Verbände bildet mit diesem
Homomorphismusbegriff eine Kategorie.
Ein Verbandshomomorphismus ist gleichzeitig ein Ordnungshomomorphismus, d.h. eine monotone Abbildung:
- aus a ? b folgt f(a) ? f(b).
Jedoch ist nicht jede monotone Abbildung zwischen Verbänden ein Verbandshomomorphismus.
Ein Unterverband von V ist eine Teilmenge W, die mit den eingeschränkten Verknüpfungen von
V ein Verband ist, d.h. es liegen
- a
b und a
b in W
für alle a, b aus W.
Jeder Unterverband ist wieder eine halbgeordnete Menge mit Supremum und Infimum für endliche Teilmengen, aber nicht jede
halbgeordnete Teilmenge mit Supremum und Infimum für endliche Teilmengen ist auch ein Unterverband, das gilt erst, wenn es
dieselben Infima und Suprema wie im großen Verband sind.
Beispiele für Verbände
- Hier fehlen Beispiele für den allgemeinsten Fall eines nichtdistributiven Verbands.
Total geordnete Menge
Jede total geordnete Menge M ist ein distributiver
Verband mit den Verknüpfungen Minimum und Maximum. Insbesondere gilt für alle a,b,c aus M:
- min(a, max(b, c)) = max(min(a,b), min(a,c)),
- max(a, min(b, c)) = min(max(a,b), max(a,c)).
Nur im Fall einer einelementigen Menge M ist der Verband komplementär.
Beispiele für die übrigen Eigenschaften:
- Das abgeschlossene reelle Intervall [0, 1] und
die erweiterte reelle Gerade (R mit ? und -?) sind jeweils vollständige distributive Verbände (und damit
beschränkt).
- Das offene reelle Intervall (0, 1), die Mengen R, Q und Z sind jeweils
unvollständige unbeschränkte distributive Verbände.
- Das rationale Intervall [0, 1]
Q ist ein unvollständiger beschränkter distributiver
Verband.
- Die Menge N0 ist ein unvollständiger distributiver Verband mit Nullelement 0.
Teilerverband
Betrachtet man für eine natürliche Zahl n die Menge T aller Teiler von n, dann ist (T, ggT, kgV) ein vollständiger distributiver Verband mit Einselement n (neutralem Element für ggT) und Nullelement 1 (neutralem Element für kgV). Er heißt
Teilerverband von n. Die Absorptionsgesetze und Distributivgesetze für ggT und kgV folgen dabei z.B. mit der Primfaktorzerlegung aus den Eigenschaften von
min und max, man kann sie aber auch durch Teilbarkeitsbetrachtungen herleiten. Der Verband ist genau dann komplementär (und damit
boolesch), wenn n quadratfrei ist, d.h. wenn
n keine Quadratzahl als Teiler hat. Die Halbordnung auf T ist die Teiler-Relation:
- a ? b gdw. a|b (gdw. ggT(a,b) = a).
Die Menge N0 aller natürlichen
Zahlen mit 0 bildet mit ggT und kgV einen
vollständigen distributiven beschränkten Verband mit Nullelement 1 und Einselement 0.
Teilmengenverband
Für eine Menge M bildet die Potenzmenge P(M) mit den
Verknüpfungen Durchschnitt und Vereinigung
einen vollständigen booleschen Verband mit
Einselement M (neutralem Element für )
und Nullelement {} (neutralem Element für ) sowie
Komplement Ac = M\A für A. Er heißt Teilmengenverband von
M. Die Halbordnung auf T ist die Mengeninklusion:
- A ? B gdw. A ? B (gdw. A
B =
A).
Man kann auch echte Teilmengen von P(M) betrachten. Diese sind jedoch nicht alle Verbände. Die Teilmengen, die
Verbände sind, sind distributiv, müssen jedoch weder vollständig sein, noch neutrale Elemente oder Komplemente haben. (Ein
Beispiel dafür ist der Verband der rechts-unendlichen reellen Intervalle [a, ?) mit a aus R.)
Sie zu studieren ist jedoch nützlich, da gilt:
- Jeder endliche distributive Verband ist isomorph zu einem
Mengenverband.
Untergruppenverband
Für eine Gruppe (G, *) bildet die Menge
A aller Untergruppen von G einen beschränkten distributiven Verband mit den Verknüpfungen "Durchschnitt" und
"Erzeugnis der Vereinigung". Er heißt Untergruppenverband von G.
Ebenso bilden
- die Unterringe eines Ringes,
- die Unterkörper eines Körpers,
- die Untermoduln eines Moduls,
- die Ideale eines Ringes
mit analogen Verknüpfungen einen Verband.
Schränkt man die Menge der Untergruppen auf Obergruppen einer festen Untergruppe U ein, so bilden alle diese
Zwischengruppen {V : U ? V ? G} einen beschränkten distributiven Verband. Analog dazu
gibt es Verbände von Zwischenringen, Zwischenkörpern, Zwischenmoduln, Zwischenidealen.
Besonderes Interesse hat man am Untergruppenverband der Galoisgruppe einer galoisschen Körpererweiterung
L/K, denn er ist isomorph zum dualen Zwischenkörperverband von L/K.
Diagramme einiger Verbände
Beispiele für Teilerverbände und dazu isomorphe Mengenverbände:
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Teilerverband von 3
Teilmengenverband von {1}
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3
|
1
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{1}
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{ }
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Teilerverband von 6 = 2·3
Teilmengenverband von {1,2}
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6
/ \
2 3
\ /
1
|
{1,2}
/ \
{1} {2}
\ /
{ }
|
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Teilerverband von 30 = 2·3·5
(Teilmengenverband von {1,2,3})
|
 |
|
Teilerverband von 12 = 22·3
Mengenverband { {}, {1}, {2}, {1,2}, {1,3}, {1,2,3} }
- distributiv mit neutralen Elementen,
- nicht komplementär
|
12
/ \
4 6
| / |
2 3
\ /
1
|
{1,2,3}
/ \
{1,3} {1,2}
| / |
{1} {2}
\ /
{ }
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Andere Beispiele für Verbände sind:
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Verband (N0, min, max):
- distributiv,
- Nullelement 0,
- kein Einselement,
- Ordnung ist die gewöhnliche Anordnung
|
:
:
|
2
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1
|
0
|
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Der Verband (N, ggT, kgV):
- distributiv,
- Nullelement 0,
- Einselement 1,
- nicht komplementär,
- enthält jeden Teilerverband als Teilverband
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Weitere Beispiele:
a b
| \/ |
| /\ |
c d
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Kein Verband, da {a, b} keine obere Schranke hat.
|
e
/ \
a b
| \/ |
| /\ |
c d
\ /
f
|
Kein Verband, da {c, d} zwar obere Schranken a, b, e hat, aber keine kleinste
obere Schranke, weil a und b nicht vergleichbar sind.
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a
/ | \
b c d
\ | /
e
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Verband mit Nullelement a und Einselement e; nicht distributiv. Die Komplemente von b sind
c und d.
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Begriffe im Zusammenhang mit Verbänden
Siehe auch Hierarchie
mathematischer Strukturen
Verbände spielen eine fundamentale Rolle in (zumindest einem möglichen Aufbau) der universellen Algebra.
Auf der englischen Seite steht noch einiges zu Idealen und Filtern.
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