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Lie-Algebra



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Lie-Algebra


Lie-Algebra

berührt die Spezialgebiete

  • Mathematik
    • Lineare Algebra
    • Lie-Gruppen
  • Physik
    • Eichtheorie

ist Spezialfall von

  • Vektorraum

Beispiele sind

  • R3 mit Kreuzprodukt
  • assoziative Algebra mit Kommutator
  • glatte Vektorfelder auf einer glatten Mannigfaltigkeit
  • spezielle lineare Lie-Algebra|sl(n,R)


Eine Lie-Algebra, benannt nach Sophus Lie, ist eine algebraische Struktur, die hauptsächlich zum Studium geometrischer Objekte wie Lie-Gruppen und differenzierbare Mannigfaltigkeiten eingesetzt wird.

Inhaltsverzeichnis
1 Definition
2 Beispiele

2.1 Aus der Algebra
2.2 Glatte Vektorfelder
2.3 Lie-Algebra einer Lie-Gruppe
2.4 Glatte Funktionen mit der Poissonklammer
2.5 Homomorphismem
2.6 Unteralgebra
2.7 Ideal
2.8 Satz von Ado

3 Typen von Lie-Algebren

3.1 Abelsche Lie-Algebra
3.2 Nilpotente Lie-Algebra
3.3 Satz von Engel
3.4 Auflösbare Lie-Algebra
3.5 Einfache Lie-Algebra
3.6 Halb-einfache Lie-Algebra
3.7 Satz von Weyl
3.8 Klassifikation
3.9 Zusammenhang zu Lie-Gruppen

 

Definition

Eine Lie-Algebra ist ein Vektorraum g über einem Körper K zusammen mit einer Verknüpfung [\cdot,\cdot]:g\times g\longrightarrow g,\quad (x,y)\longmapsto [x,y] welche Lie-Klammer genannt wird, und den folgenden Bedingungen genügt:

  • Sie ist bilinear, das heißt linear in beiden Argumenten. Es gilt somit [a x + b y, z] = a [x, z] + b [y, z]\, und [z, a x + b y] = a [z, x] + b [z, y]\, für alle a, b\in K\, und alle x, y, z \in g\,
  • Sie genügt der Jacobi-Identität. Die Jacobi-Identität lautet [x,[y,z]]+ [y,[z,x]] +[z,[x,y]]=0\, gilt für alle x,y,z\in g \,.
  • Es gilt [x,x] = 0 für alle x\in g\,.

Die erste und dritte Eigenschaft implizieren zusammengenommen die Antisymmetrie [x, y] = ? [y, x] für alle x, y aus g, außer wenn K die Charakteristik 2 hat. Lie-Klammern sind im allgemeinen nicht assoziativ: [[x, y], z] muss nicht gleich [x, [y, z]] sein.

 

Beispiele

 

Aus der Algebra

Die Lie-Algebra sl(2,C)


Der Euklidische Vektorraum R3 bildet eine Lie-Algebra, wenn man die Lie-Klammer als Kreuzprodukt definiert.

Eine assoziative Algebra A mit einer Multiplikation * kann zu einer Lie-Algebra gemacht werden, indem man [xy] = x * y ? y * x definiert. Eine so definierte Lie-Klammer heißt Kommutator von x und y. Umgekehrt kann man zeigen, dass sich jede Lie-Algebra als eingebettet in eine assoziative Algebra mit einem Kommutator auffassen lässt.

Als konkretes Beispiel betrachten wir die Lie-Gruppe SL(n,R) aller n-mal-n Matrizen mit reellen Elementen und Determinante 1. Der Tangentialraum der Einheitsmatrix kann mit dem Raum aller reellen n-mal-n Matrizen mit Spur 0 identifiziert werden, und die Matrizen-Multiplikation der Lie-Gruppe liefert über den Kommutator die Lie-Klammer der Lie-Algebra.

Allgemeine_lineare_Lie-Algebra

 

Glatte Vektorfelder

Die glatten Vektorfelder auf einer differenzierbaren Mannigfaltigkeit bilden eine unendlich-dimensionale Lie-Algebra. Die Vektorfelder operieren als Lie-Ableitung auf dem Ring der glatten Funktionen. Seien X, Y zwei glatte Vektorfelder und f eine glatte Funktion. Wir definieren die Lie-Klammer durch [X, Y] f = (XY ? YX) f.

 

Lie-Algebra einer Lie-Gruppe

Der Vektorraum der linksinvarianten Vektorfelder auf einer Lie-Gruppe ist unter dieser Kommutatoroperation abgeschlossen und bildet eine endlich-dimensionale Lie-Algebra.

 

Glatte Funktionen mit der Poissonklammer

Die glatten Funktionen auf einer Symplektischen Mannigfaltigkeit, bilden mit der Poissonklammer eine Lie-Algebra. Vergleiche Poisson-Mannigfaltigkeit.

 

Homomorphismem

Seien g\,\! und h\,\! zwei Lie-Algebren. Eine lineare Abbildung \varphi:g\longrightarrow h heißt Lie-Algebra-Homomorphismus, wenn [\varphi(x),\varphi(y)]=\varphi([x,y]) für alle x,y\in g gilt.

In der Kategorie der Lie-Algebren sind die Lie-Algebren die Objekte und die Lie-Algebra-Homomorphimen die Pfeile.

 

Unteralgebra

Eine Unteralgebra einer Lie-Algebra g ist ein Untervektorraum h\leq g, der abgeschlossen unter der Lie-Klammer ist. Das heißt für alle x,y\in h gilt [x,y]\in h. Eine Unteralgebra ist selbst eine Lie-Algebra.

 

Ideal

Eine Unteralgebra i\leq g heißt Ideal, wenn [x,y]\in i für alle x\in g und y\in i gilt.


Die Ideale sind genau die Kerne der Lie-Algebra-Homomorphismen.


Auf dem Quotientenraum g/i\,\! wird durch [x+i,y+i]:=[x,y]+i\,\! eine Lie-Algebra definiert, die Quotienten-Algebra. Dabei waren x,y\in g.

 

Satz von Ado

Der Satz von Ado besagt, dass jede endlichdimensionale komplexe Lie-Algebra Unteralgebra der GL(C,n) ist. Das heißt man kann jede endlichdimensionale komplexe Lie-Algebra als eine Lie-Algebra von Matrizen darstellen.

 

Typen von Lie-Algebren

 

Abelsche Lie-Algebra

Eine Lie-Algebra ist abelsch, wenn die Lie-Klammer identisch Null ist.

Jeder Vektorraum bildet eine abelsche Lie-Algebra, wenn man jede Lie-Klammer als Null definiert.

 

Nilpotente Lie-Algebra

Sei g eine Lie-Algebra. Wir definieren die absteigende Zentralreihe durch:

g^0=g,\;\;\; g^1=[g^0,g^0],\;\;\; g^2=[g^1,g^1],\;\;\; g^3=[g^2,g^2],\;\;\;{\rm etc.}

Eine Lie-ALgebra heißt nilpotent, wenn ihre absteigende Zentralreihe stationär wird. Das bedeutet, es gibt ein n\in{\mathbb N} so dass g^j=g^n\, für alle j > n ist.

 

Satz von Engel

Sei g eine endlichdimensionale komplexe Lie-Algebra, dann sind die beiden folgenden Aussagen äquivalent:

  1. Die Lie-Algebra g \, ist nilpotent
  2. Für jedes x \in g ist {\rm ad}(x):g\longrightarrow g,\quad y\longmapsto [x,y] eine nilpotente lineare Abbuldung.

 

Auflösbare Lie-Algebra


Sei g eine Lie-Algebra. Wir definieren die abgeleitete Reihe durch:

g^{(0)}=g,\;\;\; g^{(1)}=[g,g^{(0)}], \;\;\; g^{(2)}=[g,g^{(1)}], \;\;\; g^{(3)}=[g,g^{(2)}],\;\;\;\; {\rm etc.}

Eine Lie-ALgebra heißt auflösbar, wenn ihre abgeleitete Reihe stationär wird. Das bedeutet, es gibt ein n\in{\mathbb N} so dass g^{(j)}=g^{(n)}\, für alle j > n ist.


Eine maximale auflösbare Unteralgebra heißt Borel-Unteralgebra.


 

Einfache Lie-Algebra

Eine Lie-Algebra heißt einfach, wenn sie kein nicht-triviales Ideal hat und nicht abelsch ist.

Bei den Lie-Algebren wird Einfachheit abweichend verwendet. Dies kann zu Verwirrungen führen. Wenn man eine Lie-Algebra als algebraische Struktur auffasst, so ist die Forderung, dass sie nicht abelsch sein darf, unnatürlich.

 

Halb-einfache Lie-Algebra

Eine Lie-Algebra g heißt halb-einfach, wenn sie die direkte Summe von einfachen Lie-Algebren ist.

Für eine endlichdimensionale Lie-Algebra g sind die folgenden Aussagen äquivalent:

  1. g ist halb-einfach.
  2. Das Radikal von g verschwindet.
  3. Die Killing-Form :K(u,v) = tr(ad(u)ad(v)) ist nicht-entartet ist (tr bezeichnet die Spur von Matrizen).


 

Satz von Weyl

Sei g eine halbeinfache endlichdimensioanel komplexe Lie-Algebra, dann ist jede endlichdimensionale Darstellung von g vollständig reduzibel.

 

Klassifikation

Halbeinfache komplexe Lie-Algebren können anhand ihrer Wurzelsysteme klassifiziert werden; diese Klassifikation wurde 1900 von Elie Cartan abgeschlossen.

 

Zusammenhang zu Lie-Gruppen

Zum Beispiel haben die Gruppen SO(3) (orthogonale 3×3 Matrizen mit Determinante 1) und SU(2) (unitäre 2×2 Matrizen mit Determinante 1) dieselbe Lie-Algebra, nämlich R3 mit dem Kreuzprodukt und sind deshalb lokal, aber nicht global isomorph (siehe Karten der SO(3)).


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