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Kausalität (lat. causa, Ursache) bezeichnet die Beziehung zwischen Ursachen und Wirkungen. Umgangssprachlich ist ein Ereignis oder Zustand A die Ursache
einer Wirkung B, wenn A ein Grund ist, der B herbeiführt. Zum Beispiel könnte man sagen "mein Tritt
auf das Gaspedal verursachte, dass das Auto beschleunigte". Allerdings ist diese
"Definition" zirkulär: Was bedeutet es tatsächlich, dass A B "herbeiführt"? Dies ist eine wichtige Frage, die
u. a. in Philosophie, Statistik und den Naturwissenschaften behandelt
wird.
Eine Kausalkette ergibt sich, wenn jede Wirkung selbst wieder Ursache eines neuen Ereignisses ist. Sie
spiegelt die transitive Natur der Kausalität wieder.
| Inhaltsverzeichnis |
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1 Kausalordnung
2 Physik und Mathematik
3 Informatik
4 Rechtswissenschaften
5 Philosophie
6 Ökonometrie
7 Beispiele von Ereignisfolgen
8 Literatur
9 Weblinks
10 Siehe auch
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Kausalordnung
Die Kausalordnung ist eine Halbordnung, die über die
Relation der kausalen Abhängigkeit über einer Menge
von Ereignissen definiert wird: Ein Ereignis A ist eine Ursache von Ereignis B (A < B) oder umgekehrt (A > B), oder die
Ereignisse beeinflussen sich Gegenseitig nicht (A || B), dass heißt, sie sind kausal unabhängig oder nebenläufig. Die Kausalität wird zu dem von den meisten
Theoretikern als transitiv betrachtet: Wenn Ereignis A eine Ursache
von B ist, und B ist eine Ursache von C, dann ist A auch eine Ursache von C (wenn A < B und B < C ist, dann ist auch A <
C). Andere wenden dagegen ein, dass zumindest unsere gewöhnliche Urteilspraxis bezüglich der Kausalität nicht transitiv ist, da
wir uns bei der Suche nach der Ursache eines Ereignisses stets nach dem unmittelbar verursachenden Ereignis forschen.
Die kausale Abhängigkeit und die sich daraus ergebende Kausalordnung ist sehr wichtig in verschiedenen Bereichen, wie im
Folgenden erklärt wird. Insbesondere wird in einigen Bereichen der Physik, Informatik und Philosophie die Zeit an sich über die Kausalordnung definiert, statt umgekehrt. Der Begriff der "Gleichzeitigkeit" verliert dann an Bedeutung, man spricht statt dessen
von kausal unabhängigen Ereignissen. Ob zwei solche Ereignisse aus gleichzeitig erscheinen, hängt gänzlich vom
Standpunkt des Beobachters ab (siehe Relativität der Gleichzeitigkeit).
Physik und Mathematik
Kausalität impliziert eine strenge Halbordnung: Die
Ursache der Ursache einer Wirkung ist damit auch (indirekte) Ursache der Wirkung selbst. Eine Wirkung darf nicht direkte oder
indirekte Ursache ihrer selbst sein, da sonst Widersprüche auftreten können (wie z. B. das Großvater-Paradoxon bei Zeitreisen).
Die Ereignisse, die ein bestimmtes Ereignis kausal beeinflussen können (also [Mit-]Ursache dieses Ereignisses sein können)
bilden die absolute Vergangenheit dieses Ereignisses. Umgekehrt bilden
die Ereignisse, die ein bestimmtes Ereignis kausal beeinflussen kann, die absolute Zukunft des Ereignisses.
In der klassischen Mechanik ist die Kausalordnung sogar eine strenge schwache Ordnung, die Relation "Ereignis 1 liegt weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft von Ereignis 2" ist also eine
Äquivalenzrelation, die Gleichzeitigkeit genannt wird. Diese Kausalordnung lässt sich mit einem reellen Parameter, der
absoluten Zeit Newtons, "durchnummerieren".
In der Relativitätstheorie hingegen ist die
Kausalordnung nur mehr eine partielle Ordnung. Da sich Wirkungen in ihr nur mit maximal Lichtgeschwindigkeit ausbreiten können, ist die absolute Vergangenheit ein Kegel in der Raumzeit,
der so genannte Vergangenheitslichtkegel; ebenso
ist die absolute Zukunft durch den Zukunftslichtkegel gegeben
(siehe Minkowski-Diagramm). Die Kausalität impliziert keine
Gleichzeitigkeit mehr (Relativität
der Gleichzeitigkeit), damit gibt es auch keine eindeutige Zeitkoordinate. Alle Zeitkoordinaten der Relativitätstheorie haben
aber gemeinsam, dass kausal zusammenhängende Ereignisse dieselbe Reihenfolge haben (die Ursache also stets zeitlich vor
der Wirkung kommt).
Kausalität wir oft auch als das Prinzip von Ursache und Wirkung bezeichnet. In diesem Sinne wird es von
vielen Physikern weniger als Naturgesetz sondern als Interpretation des Geschehens angesehen, da es keine exakte Vorschrift gibt, wie sich eine bestimmte
Ursache und die zugehörige Wirkung räumlich und zeitlich abgrenzen lassen. Letztlich werden in der Physik Vorgänge der unbelebten
Natur erschöpfend durch Lösungen von mathematischen Gleichungen beschrieben. Eine Notwendigkeit, Teilebereiche dieser Lösungen
als Ursachen und als Wirkungen zu bezeichnen, besteht letztlich nicht, sondern dient lediglich zur Veranschaulichung und zum
besseren Verständnis.
Die Frage, ob jedes physikalische Ereignis eindeutig durch eine Menge von Ursachen vorherbestimmt ist, ob also das Universum als ganzes deterministisch ist, ist eine wichtige Frage in der Physik: Nach der klassischen Newtonschen Physik, und auch
nach der Einsteinschen Relativitätstheorie, ist das der Fall. In letzter Konsequenz würde das bedeuten, das jeder Gedanke und
jedes fallende Blatt im Augenblick des Urknalls vorherbestimmt war. Albert Einstein sagte dazu: Gott würfelt nicht. Was uns als Zufall erscheint hängt in Wirklichkeit nur von unbekannten Ursachen ab. Auch der freie Wille des Menschen wäre schiere Illusion. Einstein zog hier eine Parallele zur Unfreiheit des
Willens nach Schopenhauer. Siehe dazu auch: Freier Wille.
Die Quantenmechanik hingegen lehrt, dass wir aufgrund einer Menge
von Ursachen (Vorbedingungen) lediglich die Wahrscheinlichkeit von späteren Beobachtungen vorhersagen können -
was tatsächlich geschieht, hängt von wahrem Zufall ab (siehe Kollaps des
Zustandsvektors). Sie besagt auch, dass das Ergebnis entscheident vom Beobachter beeinflusst wird. Auch diese Idee hat weitreichende philosophische Konsequenzen: sie stellt das Wesen
der Realität in Frage (siehe Kopenhagener
Interpretation, vergleiche Subjektivismus und Solipsismus).
Informatik
In der Informatik spielt Kausalität auf zwei Arten eine große Rolle: einerseits als nachträgliche Aussage darüber, welche
Ereignisse zu welchen anderen Ereignissen geführt haben. Das ist vor allem bei einer Kommunikation in Verteilten Systemen mit mehreren Sendern und Empfängern wichtig, zum
Beispiel um sicher zu stellen, dass Anweisungen in der richtigen Reihenfolge ausgeführt werden, auch dann, wenn sich Nachrichten
im Netzwerk überholen. Zu diesem Zweck werden vor allem Logische Uhren
eingesetzt, die es erlauben, aufgrund von Zeitstempeln die
Kausalordnung von Ereignissen zu bestimmen.
Andererseits kann man bei Computerprogrammen leicht im vorhinein
sagen, welche Aktion welche Daten benötigt, und von wo diese bereitgestellt werden. So
ergibt sich eine Kausalordnung darüber, welche Operation das Resultat welcher anderen Benötigt. So können Abläufe entsprechen
geplant und insbesondere sequentialisiert oder parallelisiert werden. Siehe dazu auch: Nebenläufigkeit.
Rechtswissenschaften
Der Begriff der Kausalität spielt ebenfalls im Bereich der Rechtswissenschaften eine entscheidende Rolle. Im Strafrecht ist beispielsweise für die Verwirklichung eines Erfolgsdeliktes ein Kausalzusammenhang
zwischen der Handlung des Täters und dem eingetretenen Erfolg vonnöten. Ohne diesen Kausalzusammenhang kann ein Täter ein solches Erfolgsdelikt nicht verwirklichen
und ist somit wegen diesem auch nicht strafbar. Die Strafbarkeit des Versuchs der Begehung eines Erfolgsdeliktes ist dennoch
möglich. Im Strafrecht ist also jede Handlung kausal, die nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Taterfolg in seiner
konkreten Gestalt entfiele. Diese Regel wird im Strafrecht auch als die conditio-sine-qua-non-Formel bezeichnet. Diese Formel wird durch die Lehre von der objektiven Zurechnung begrenzt.
Im Einzelnen kann man unterscheiden:
- alternative Kausalität: Beide Handlungen waren an sich, einzeln, ursächlich.
- kumulative Kausalität: Beide Handlungen waren nur zusammen ursächlich.
- überholende Kausalität: Die erste Handlung wird von einer zweiten überholt, die den (schädigenden) Erfolg herstellt,
sodass die erste sich nicht mehr auswirken kann.
- psychische Kausalität: Die Handlung wird kausal für die Willensbildung eines anderen, der den (schädigenden) Erfolg
herstellt.
Philosophie
Demokrit war einer der ersten Philosophen, der die Vorstellung einer umfassenden Kausalität
vertrat.
Als einer der wichtigsten Beiträge zur Analyse des Kausalitätsbegriffs gilt der von David Hume. Er vertrat in seiner Regularitätstheorie die Auffassung, zwei Ereignisse A und B stünden dann in einer
Kausalrelation, wenn sie ausnahmslos räumlich nebeneinander und zeitlich aufeinanderfolgend auftreten (Kontiguität). Er vertrat
außerdem die These, dass wir auf das Bestehen einer Kausalrelation nur induktiv schließen, aber nie gesichert davon wissen
können.
J.L. Mackie führte die INUS-Bedingung ein, um Ursachen identifizieren zu können.
Aristoteles
Aristoteles führte vier verschiedene Arten von Ursachen auf:
- Material bzw. Stoff (causa materialis)
- Form bzw. Gestalt (causa formalis)
- Bewirkung (causa efficiens)
- Zweck (causa finalis)
Er stellte außerdem die Behauptung auf, dass die Wahrheit nicht getrennt von den Ursachen erkannt werden könne.
Kant
Immanuel Kant unterschied von der "Kausalität nach Gesetzen der
Natur" eine "Kausalität durch Freiheit":
- Wenn ich jetzt (zum Beispiel) völlig frei und ohne den notwendig bestimmenden Einfluss der Naturursachen von meinem
Stuhle aufstehe, so fängt in dieser Begebenheit samt deren natürlichen Folgen ins Unendliche eine neue Reihe schlechthin an,
obgleich der Zeit nach diese Begebenheit nur eine Fortsetzung der vorhergehenden Reihe ist. Denn diese Entschließung und Tat
liegt gar nicht in der Abfolge bloßer Naturwirkungen und ist nicht eine bloße Fortsetzung derselben; sondern die bestimmenden
Naturursachen hören oberhalb derselben in Ansehung dieses Ereignisses ganz auf, das zwar auf jene folgt, aber daraus nicht
erfolgt und daher zwar nicht der Zeit nach, aber doch in Ansehung der Kausalität ein schlechthin erster Anfang
einer Reihe von Erscheinungen genannt werden muss.
- (Kritik der reinen Vernunft: Die Antinomie
der reinen Vernunft: Anmerkung zur dritten Antonomie)
Ökonometrie
In der Ökonometrie begnügt man sich einem z. B. gegenüber der
Philosophie eingeschränkten Kausalitätsbegriff. Bei diesem steht die
zeitliche Ordnung der Variablen im Vordergrund. Entscheidend geprägt wurde der Kausalitätsbegriff der Ökonometrie von Granger. Dieser arbeitet mit der Prämisse, dass die Vergangenheit die Zukunft bestimmt und nicht umgekehrt. Sie besagt, dass eine Variable X für Y Granger-kausal
ist, wenn bei einer gegebenen Informationsmenge bis zum Zeitpunkt t-1 im Zeitpunkt t die Variable Y
besser prognostiziert werden kann, als ohne den Einbezug der Variablen X. Die Granger-Kausalität kann in eine Richtung
gelten oder auch in beide Richtungen (Feedback-System). Die Granger-Kausalität ist statistisch testbar. Der
Kausalitätsbegriff ist eng mit einer weiteren theoretischen Konzept der Ökonometrie/Zeitreihenanalyse verwandt, der
Exogenität.
Die Granger-Kausalität kann getestet werden. Hierzu sein ein bivariates VAR(p)-Modell betrachtet:
.
Es liegt keine Granger-Kausalität für Y2 auf Y1 vor, wenn:
?12,1 = ?12,2 = ... = ?12,p = 0.
Y1 ist für Y2 nicht
Granger-kausal, wenn:
?21,1 = ?21,2 = ... = ?21,p = 0.
Der Test auf Nicht-Granger-Kausalität entspricht somit einem Test auf Null-Restriktionen für bestimmte Koeffizienten. Ein solcher Test könnte bei Normalität des Weißen Rauschens wie folgt aussehen:
.
Dabei ist
- RSSr die Summe der quadrierten Residuen einer OLS-Schätzung der Gleichung mit
Restriktionen,
- RSSu die Summe der quadrierten Residuen einer
OLS-Schätzung der Gleichung ohne Restriktionen,
die geschätzte Varianz von Z1.
Beispiele von Ereignisfolgen
- Ein Meteor fällt auf den Mond.
- Ein Ereignis, eine Folge, danach passiert nichts mehr weiter.
- Ein Meteor fällt auf die Erde und tötet einen Vater von 3 Kindern.
- Ein Ereignis, eine direkte Folge, viele indirekte Folgen.
- Ein Dominostein wird angestoßen, daraufhin fällt eine ganze Reihe Dominosteine um.
- Eine Ursache mit nachfolgender Kausalkette.
- Ein Würfel wird geworfen.
- Ein Ereignis, sechs verschiedene Möglichkeiten als Folge.
- Ein Auto fährt kurz vor einem Zug über einen unbeschrankten Bahnübergang.
- Nichts passiert.
- Zwei Ereignissequenzen kreuzen sich, aber ohne direkte Folgen.
- Eine Schneeflocke fällt auf einen Lawinenhang und löst eine Lawine aus.
- Kleine Ursache große Wirkung.
- Zwei Menschen kommen sich sehr nahe und zeugen ein Kind.
- Sonne und Mond stehen in einer Linie zur Erde und erzeugen eine Springflut.
- Zwei Ursachen müssen zusammenkommen , damit eine Folge resultiert.
- Ein Mensch raucht 2 Packungen Zigaretten pro Tag, isst viel Fett, bewegt sich wenig, ist stark übergewichtig. Dies macht er
über mehrere Jahre hinweg. Er entwickelt eine ausgeprägte Arteriosklerose und auf dem Boden dieser einen Herzinfarkt.
- Mehrere Einflussfaktoren summieren sich und wirken über längere Zeit, so dass schließlich eine Folge resultiert, die ohne
diese Risikofaktoren viel später eingetreten wäre.
- "Steter Tropfen höhlt den Stein."
Literatur
- Wolfgang Stegmüller: Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie. Bd.1 Erklärung,
Begründung, Kausalität, Springer Verlag, ISBN 3-540-11804-7
- Wolfgang Stegmüller: Das Problem der Kausalität, 1983
- Judea Pearl: Causality, Cambridge University Press, ISBN 0-521-77362-8
- Andreas Hüttemann (Hrsg.): Kausalität und Naturgesetz in der Frühen Neuzeit, Studia Leibnitiana, ISBN 3-515-07858-4
- Uwe Meixner: Theorie der Kausalität. Ein Leitfaden zum Kausalbegriff in zwei Teilen, Mentis Verlag, 2001, ISBN 3-89785-185-7
- Helmut Weber: Der Kausalitätsbeweis im Zivilprozeß, Tübinger rechtswissenschaftliche Abhandlungen Bd. 83, 1997,
ISBN 3-16-146745-0,
Weblinks
- Kausalität und Korrelation in der Statistik (http://wwwhomes.uni-bielefeld.de/hjawww/glossar/node88.html)
- Kausalität bei Aristoteles
und im Mittelalter (http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/PHILOSOPHIEORD/Kausalitaet.html)
- KOGWIS99 Workshop "Kausalität" (http://www.gmd.de/publications/report/0060/Text.pdf), 4. Fachtagung der Gesellschaft für
Kognitionswissenschaft an der Universität Bielefeld, 28. September - 1. Oktober 1999
Siehe auch
Zufallsereignis, Naturgesetz,
Ätiologie, Korrelation,
causa finalis
(Zweckursache), causa efficiens (Wirkursache), causa materialis (Materialursache), cause formalis (Formursache), Finalität, Kausalprinzip, Synchronizität
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