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Der Begriff Interpolation bezeichnet eine Klasse von Problemen und Verfahren aus der numerischen Mathematik. Zu gegebenen diskreten Daten (z.B. Messwerte) soll eine kontinuierliche Funktion (die so genannte Interpolante) gefunden werden, die diese Daten abbildet. Man sagt
dann, die Funktion interpoliert die Daten.
| Inhaltsverzeichnis |
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1 Einführung
2 Interpolationsprobleme
2.1 Das allgemeine Interpolationsproblem
2.2 Das lineare Interpolationsproblem
2.3 Nichtlineare Interpolationsprobleme
3 Interpolationsverfahren
3.1 Lineare Interpolation
3.2 Höhergradige Polynome
3.3 Stückweise Interpolation
3.4 Hermite-Interpolation
3.5 Trigonometrische Interpolation
4 Anwendungen
5 Literatur
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Einführung
Zu interpolierende Punkte
Manchmal kennen wir von einer Funktion nur einzelne Punkte, aber keine analytische Beschreibung der Funktion, um sie an
beliebigen Stellen auswerten zu können. Ein Beispiel sind Punkte als Resultat einer physikalischen Messung. Könnte man die Punkte durch eine (eventuell glatte) Kurve verbinden, so wäre es möglich, die unbekannte
Funktion an den dazwischenliegenden Stellen zu schätzen. Ein anderes Szenario besteht aus einer schwierig handhabbaren Funktion,
die man durch eine einfachere approximativ darstellen will. Eine Interpolationsfunktion kann diese Anforderung der Einfachheit
erfüllen.
Diese Aufgabe bezeichnet man als Interpolationsproblem. Es gibt für das Problem mehrere Lösungen, der Anwender muss
zunächst geeignete Ansatzfunktionen wählen. Je nach Ansatzfunktionen erhalten wir eine andere Interpolante.
Die Interpolation ist ein Art der Approximation: die betrachtete
Funktion wird durch die Interpolationsfunktion in den Stützstellen exakt wiedergegeben und in den restlichen Punkten immerhin
näherungsweise. Die Approximationsgüte hängt vom Ansatz ab. Um sie zu schätzen, werden Zusatzinformationen über die Funktion
f benötigt. Diese ergeben sich auch bei Unkenntnis von f meist in natürlicher Weise: Beschränktheit, Stetigkeit
oder Differenzierbarkeit lassen sich häufig voraussetzen.
Bei anderen Approximationsverfahren wie z.B. der Methode der kleinsten Quadrate wird nicht gefordert, dass die Messdaten exakt wiedergegeben
werden; das unterscheidet diese Verfahren von der Interpolation.
Bei dem verwandten Problem der Extrapolation werden Werte geschätzt,
die über den Definitionsbereich der Daten hinausgehen.
Interpolationsprobleme
Das allgemeine Interpolationsproblem
Gegeben seien Paare von reellen oder komplexen Zahlen , die man als Stützstellen bezeichnet. Man wählt nun eine Ansatzfunktion , die sowohl von x als auch von n + 1 weiteren Parametern aj abhängt. Als Interpolationsproblem bezeichnet man die Aufgabe, die
aj so zu wählen, dass ist.
Das lineare Interpolationsproblem
Man spricht von einem linearen Interpolationsproblem, wenn ? nur linear von den aj
abhängt, d.h.
.
Insbesondere die Polynominterpolation ist ein solches
lineares Interpolationsproblem. Für die Polynominterpolation gilt
.
Spezialfälle für n = 1, n = 2 und n = 3 nennt man lineare, quadratische und kubische Interpolation. In zwei
Dimensionen spricht man entsprechend von bilinear, biquadratisch und bikubisch.
Nichtlineare Interpolationsprobleme
Zu den wichtigsten nichtlinearen Interpolationsproblemen zählt
- das trigonometrische:

- das rationale:
Interpolationsverfahren
Lineare Interpolation
Am einfachsten und wohl auch in der Praxis am häufigsten benutzt wird die lineare Interpolation, bei der zwei
gegebene Datenpunkte f0 und f1
durch eine Strecke verbunden werden. Als Faustregel merkt man sich
.
Dies entspricht einer Konvexkombination der Endpunkte und .
Höhergradige Polynome
Interpolationspolynom 7. Grades
Der Fundamentalsatz der Algebra
garantiert, dass man zu n + 1 Datenpunkten genau ein Interpolationspolynom n-ten Grades finden kann. Die Bestimmung der Koeffizienten erfordert die Lösung eines linearen Gleichungssystems. Man erhält das
Interpolationspolynom z.B. mit Hilfe der Formel von Lagrange:

Weitere Verfahren zur Polynominterpolation siehe
dort.
Stückweise Interpolation
Da Polynome mit zunehmendem Grad immer instabiler werden (d.h. sie schwingen stark zwischen den Interpolationspunkten), werden
in der Praxis Polynome mit Grad > 5 kaum eingesetzt. Stattdessen interpoliert man einen großen Datensatz stückweise.
Im Fall der linearen Interpolation wäre das ein Polygonzug, bei Polynomen vom
Grad 2 oder 3 spricht man üblicherweise von Spline-Interpolation. Bei abschnittsweise definierten Interpolanten ist die Frage der Stetigkeit und Differenzierbarkeit an den Stützstellen von großer Bedeutung.
Stückweise lineare Interpolation
Kubische Spline-Interpolation
Hermite-Interpolation
Sind zusätzlich zu den Stützstellen
auch noch die k-Ableitungen zu interpolieren, so spricht man von einem Hermite-Interpolationsproblem. Die Lösung
dieses Problems lässt sich analog zum Lagrange-Verfahren ebenfalls in geschlossener Form angeben.
Trigonometrische Interpolation
Wählt man als Ansatzfunktion ein trigonometrisches Polynom, so erhält man eine trigonometrischer Interpolation. Die
Interpolationsformel

entspricht einer Fourier-Entwicklung der unbekannten Interpolanten. Die
Fourier-Koeffizienten ak und bk berechnen sich zu
und .
Dabei wird angenommen, dass die Stützstellen xi im Intervall äquidistant verteilt sowie außerhalb
dieses Intervalls periodisch sind. Die Koeffizienten können effizient mit Hilfe der schnellen Fourier-Transformation berechnet
werden.
Anwendungen
In vielen Anwendungen von Interpolationsverfahren wird behauptet, dass durch Interpolation neue Daten aus bestehenden
Daten hinzugewonnen werden. Dies ist aber falsch. Durch Interpolation kann nur der Verlauf einer kontinuierlichen Funktion zwischen bekannten Abtastpunkten abgeschätzt werden. Diese Abschätzung
basiert meist auf der Annahme, dass der Verlauf einigermaßen "glatt" ist, was in den meisten Fällen zu plausiblen Resultaten
führt. Die Annahme muss aber nicht notwendigerweise zutreffen.
Bildverarbeitung

In der Bildverarbeitung verwendet man Interpolationsverfahren,
um gerasterte Bilder zu vergrößern ("digitaler Zoom"). Da diese Bilder aber nur eine begrenzte Bildauflösung haben, führt die Wiederholung von Bildpunkten zu dem bekannten "Treppchen-Effekt". Das Phänomen ist allgemein auch als Aliasing bekannt. Interpoliert man stattdessen die hinzugefügten Bildpunkte aus den bekannten Nachbarpunkten
(Antialiasing), so werden die Kanten glatter, was aber zu Lasten der
Bildschärfe geht. Die optische Auflösung des Bildes wird durch die Interpolation nicht vergrößert.
In gängigen Bildverarbeitungssystemen wird häufig bilineare oder bikubische Interpolation verwendet. Die
Interpolationsverfahren sind meist in Form von digitalen Filtern
implementiert (Gauß-Filter,
Lanczos-Filter).
Literatur
- Josef Stoer, Numerische Mathematik 1, 8. Auflage, Springer 1999
- Bernd Jähne, Digitale Bildverarbeitung, 4. Auflage, Springer 1997
- Oppenheim/Schafer, Zeitdiskrete Signalverarbeitung, Oldenbourg 1992
- Crochiere/Rabiner, Multirate Digital Signal Processing, Prentice Hall 1983
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