Teilung einer Strecke im Verhältnis des Goldenen Schnittes: a verhält sich zu b wie a+b zu
a.
Der Goldene Schnitt (lat. sectio
aurea) ist ein bestimmtes Verhältnis zweier Zahlen, meist Längen von Strecken, das in der Kunst und Architektur oft als ideale Proportion und als Inbegriff
von Ästhetik und Harmonie
angesehen wird. Darüber hinaus tritt es auch in der Natur in Erscheinung und zeichnet
sich durch eine Reihe interessanter mathematischer Eigenschaften aus. Weitere
verwendete Bezeichnungen sind stetige Teilung und göttliche Teilung (lat. proportio divina).
| Inhaltsverzeichnis |
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1 Definitionen und Grundeigenschaften
2 Geometrisches
2.1 Vergleich mit anderen Teilungsverhältnissen
2.2 Konstruktionen mit Zirkel und Lineal
2.3 Pentagramm
2.4 Goldene Spirale
2.5 Goldener Schnitt im Ikosaeder
3 Historisches
4 Architektur
5 Kunst
6 Musik
7 Biologie
7.1 Proportionen des menschlichen Körpers
7.2 Botanik
8 Astronomie
9 Physik
10 Mathematische Eigenschaften
10.1 Herleitung des Zahlenwertes
10.2 Zusammenhang mit den Fibonacci-Zahlen
10.3 Der Goldene Schnitt als irrationalste und
nobelste aller Zahlen
10.4 Weitere mathematische Eigenschaften
11 Literatur
12 Weblinks
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Definitionen und Grundeigenschaften
- Zwei Strecken stehen im Verhältnis des Goldenen Schnittes, wenn sich die größere zur kleineren verhält wie die Summe aus
beiden zur größeren (siehe Abbildung). Dieses Verhältnis wird meist mit dem griechischen Buchstaben ? bezeichnet. Bezeichnet man
die längere Strecke mit a und die kürzere mit b, dann gilt damit
-

- Daraus ergibt sich für ? (siehe unten)
-

- ? ist eine irrationale Zahl. Es zeigt sich, dass sie in einem
bestimmten Sinne die irrationalste aller Zahlen ist. Das bedeutet, dass sie sich nur schlecht durch ein Verhältnis zweier ganzer
Zahlen annähern lässt, ein Umstand, der wesentlich zu ihrer Bedeutung in Kunst und Natur beiträgt.
- Subtrahiert man die kürzere der beiden Strecken von der längeren, so erhält man eine Strecke, die zur kürzeren wiederum im
Verhältnis des Goldenen Schnittes steht. Die Bezeichnung stetige Teilung bezieht sich auf den Umstand, dass dieser
Vorgang beliebig oft wiederholbar ist und dabei stets das selbe Verhältnis liefert.
Der Goldene Winkel ?=137,5°
- Ein Rechteck, dessen Seitenverhältnis dem Goldenen Schnitt gehorcht, bezeichnet man als Goldenes Rechteck.
Ebenso nennt man gleichschenklige Dreiecke, bei denen
zwei Seiten in diesem Verhältnis stehen, Goldene Dreiecke.
- Eine wichtige Rolle spielt auch der so genannte Goldene Winkel ?, der den
Winkel von 360° im Verhältnis des Goldenen Schnittes teilt. Meist wird der kleinere der beiden Teilwinkel angegeben, sodass
gilt
-
.
- In einem engen Zusammenhang zum Goldenen Schnitt steht die unendliche Zahlenfolge der Fibonacci-Zahlen
-
- 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233, ...,
- die auf Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci (13.
Jahrhundert), zurück geht. Die jeweils nächste Zahl in dieser Folge erhält man als Summe der beiden vorangehenden. Das Verhältnis
zweier aufeinander folgender Fibonacci-Zahlen strebt gegen den Goldenen Schnitt, ein Umstand, der bereits Johannes Kepler bekannt war.
Geometrisches
Vergleich mit anderen Teilungsverhältnissen
Ein möglicher Grund für die Beliebtheit des Goldenen Schnittes ist in seinem hohen Grad an Irrationalität zu sehen. Das
bedeutet, dass er sich von allen Verhältnissen kleiner ganzer Zahlen, wie beispielsweise 2:3 oder 3:4, deutlich abhebt, was in
bestimmten ästhetischen Zusammenhängen erwünscht sein kann. Sicher wurde und wird er oft auch unbewusst und ohne exakte
Maßkontrolle intuitiv gewählt, um rationale Längenverhältnisse zu meiden.
Die folgende Abbildung vergleicht verschiedene Rechtecke mit prominenten Seitenverhältnissen in der Umgebung von ?. Angegeben
ist jeweils das Verhältnis von Höhe zu Breite und der entsprechende Zahlenfaktor:

Typische Einsatzgebiete (von links nach rechts):
- 4 : 3 - Traditionelles Fernsehformat. In der Regel auch bei Computermonitoren (z. B. 1024 × 768 Pixel).
- ?2 : 1 - Das Seitenverhältnis beim DIN-A4-Blatt und
verwandten DIN-Maßen. Bei einer Halbierung durch eine Waagerechte entstehen wiederum
Rechtecke mit dem selben Seitenverhältnis.
- 3 : 2 - Seitenverhältnis beim Kleinbildfilm (36mm × 24mm).
- ? : 1 - Seitenverhältnis im Goldenen Schnitt. Hier approximiert
durch 144 × 89 Pixel mit einem theoretischem Fehler von nur 5·10-5. Die beiden benachbarten Rechtecke weisen ebenfalls
Seitenverhältnisse von benachbarten Fibonacci-Zahlen auf und approximieren daher den Goldenen Schnitt vergleichsweise gut.
- 5 : 3 - Findet neben dem noch breiteren 1:1,85 als Kinoformat Verwendung.
- 16 : 9 - Breitbildformat.
Konstruktionen mit Zirkel und Lineal
In der Geometrie spielten in der Vergangenheit Konstruktionsverfahren eine wichtige Rolle, die nur mit Zirkel und Lineal auskommen.
Für die Teilung einer Strecke im Verhältnis des Goldenen Schnittes gibt es eine Fülle derartiger Verfahren. Hier seien
exemplarisch einige erwähnt.
Beliebtes Konstruktionsverfahren
- Das folgende Verfahren ist wegen seiner Einfachheit beliebt.
- Errichte auf der Stecke AB im Punkt B eine Senkrechte der halben Länge von AB mit dem Endpunkt C.
- Der Kreis um C mit dem Radius BC schneidet die Verbindung AC im Punkt D.
- Der Kreis um A mit dem Radius AD teilt die Strecke AB im Verhältnis des Goldenen Schnittes.
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- Die folgende Vorschrift geht auf Euklid zurück.
- Errichte auf der Stecke AB im Punkt A eine Senkrechte der halben Länge von AB mit dem Endpunkt C.
- Der Kreis um C mit dem Radius CB schneidet die Verlängerung von AC im Punkt D.
- Der Kreis um A mit dem Radius AD teilt die Strecke AB im Verhältnis des Goldenen Schnittes.
Bei diesen beiden Beispielen spricht man von einer inneren Teilung der Ausgangsstrecke AB.
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Verfahren mit "äußerer Teilung"
- Im folgenden zwei Beispiele für eine äußere Teilung, bei der der zu konstruierende Punkt außerhalb der
Ausgangsstrecke liegt.
- Errichte auf der Strecke AS im Punkt S eine Senkrechte der Länge AS mit dem Endpunkt C.
- Konstruiere die Mitte M der Strecke AS.
- Der Kreis um M mit dem Radius MC schneidet die Verlängerung von AS im Punkt B. S teilt AB im Verhältnis des Goldenen
Schnittes.
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- Das folgende Konstruktionsverfahren wurde erstaunlicherweise trotz seiner Einfachheit und Eleganz erst 1982 von dem
amerikanischen Mathematiker George
Odom entdeckt.
- Konstruiere ein gleichseitiges Dreieck.
- Konstruiere den Umkreis, also den Kreis, der durch alle Ecken des Dreiecks
verläuft.
- Halbiere zwei Seiten des Dreiecks in den Punkten A und S.
- Die Verlängerung von AS schneidet den Kreis im Punkt B. S teilt AB im Verhältnis des Goldenen Schnittes.
- Beginnt man mit der Strecke AS, so ist zunächst das Dreieck zu konstruieren, was in mehreren Schritten problemlos möglich
ist.
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Pentagramm
Das Pentagramm, eins der ältesten magischen Symbole der Kulturgeschichte, steht in einer
besonders engen Beziehung zum Goldenen Schnitt. Es erscheint in einer Fülle von unterschiedlichen Interpretationen. Bereits vor
4000 v. Chr. tauchte es in der Euphrat-Tigris-Region auf. Bei den Pythagoräern stand es für die
Suche nach der universalen Wahrheit. Die Stadt Jerusalem führte es etwa 300 bis
150 v. Chr. als offizielles Siegel. In Goethes
Faust steht es für das Symbol gegen den Teufel.
Auf der Spitze stehend ist es als Drudenfuß bekannt, der vor Hexen und bösen Geistern schützen soll. Auf militärischen Gerätschaften der früheren UdSSR, sowie der USA und China ist es als gefüllter Stern zu sehen und auch
auf den Flaggen vieler Staaten. Ferner ist es in der Esoterik ein oft verwendetes
Symbol.
Zu jeder Strecke und Teilstrecke im Pentagramm findet sich ein Partner, der mit ihr im Verhältnis des Goldenen Schnitts steht.
In der Abbildung sind alle drei möglichen Streckenpaare jeweils blau (längere Strecke) und orange (kürzere Strecke) markiert. Sie
lassen sich über das oben beschriebene Verfahren der stetigen Teilung nacheinander erzeugen. Im Prinzip ist es in das
verkleinerte Pentagramm fortsetzbar, das man in das innere Fünfeck zeichnen könnte, und damit auch in alle weiteren. Stünden die
beiden Strecken in einem Verhältnis ganzer Zahlen, müsste dieses Verfahren der fortgesetzten Subtraktion irgendwann Null ergeben
und damit abbrechen. Die Betrachtung des Pentagramms zeigt aber anschaulich, dass das nicht der Fall ist.
Für den Beweis, dass es sich um den Goldenen Schnitt handelt, beachte man, dass neben den vielen Strecken, die aus
offensichtlichen Symmetriegründen gleich lang sind, auch CD=CC' gilt. Ursache ist, dass das Dreieck C'CD zwei gleiche Winkel
besitzt, wie man durch Parallelverschiebung der Strecke CC' erkennen kann, und daher gleichschenklig ist. Nach dem Strahlensatz
gilt:

Ersetzt man AC=AB+BC und beachtet die Gleichheit der auftretenden Teilstücke, so erhält man genau die obige
Definitionsgleichung für den Goldenen Schnitt.
Goldene Spirale
Ein Goldenes Rechteck lässt sich in ein Quadrat und ein weiteres Goldenes Rechteck
teilen. Durch wiederholte Teilung erhält man eine Figur, in die sich eine logarithmische Spirale einzeichnen lässt, die Goldene Spirale. Sie wird oft, wie in
nebenstehender Abbildung, durch eine Folge von Viertelkreisen approximiert. Ihr Radius verändert sich bei jeder 90°-Drehung um
den Faktor ?. Die schneckenförmigen Kalkgehäuse einiger Tierarten haben eine
ähnliche Steigung, wie beispielsweise das des Nautilus. Bei den meisten dieser
Tierarten ist die Steigung jedoch eher geringer.
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Drei Goldene Rechtecke im Ikosaeder
Goldener Schnitt im Ikosaeder
Die 12 Ecken des Ikosaeders bilden die Ecken von drei gleich großen, senkrecht
aufeinanderstehenden Rechtecken mit gemeinsamem Mittelpunkt und mit den
Seitenverhältnissen des Goldenen Schnittes.
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Historisches
Hippasos von
Metapont (um 450 v. Chr.), der dem Geheimbund der Pythagoräer angehörte, entdeckte bei seinen Untersuchungen am Fünfeck, dass das
Verhältnis von Kantenlänge zu Diagonale nicht durch ganze Zahlen darstellbar
war. Dieses Ergebnis stand im Widerspruch zu der Überzeugung der Pythagoräer, dass die Welt sich vollständig durch ganze Zahlen
beschreiben lassen müsse. Ironischerweise fand sich nun die Widerlegung dieser Ansicht ausgerechnet im Pentagramm, dem Symbol der
Pythagoräer. Hippasos entdeckte damit das Phänomen der irrationalen Zahlen anhand der Inkommensurabilität von Strecken, sowie zwei Größen, die im Verhältnis des Goldenen Schnittes
stehen. Unbestätigten Berichten zufolge verbreitete er seine Entdeckung entgegen den Regeln seines Geheimbundes in der
Öffentlichkeit und wurde daher zur Strafe ertränkt.
Die erste genaue Beschreibung des Goldenen Schnittes stammt von Euklid (325 - 270 v.
Chr.), der darauf über seine Untersuchungen an den platonischen Körpern und dem Fünfeck beziehungsweise dem Pentagramm stieß. Er bezeichnete dieses
Verhältnis als "proportio habens medium et duo extrema", was heute mit "Teilung im inneren und äußeren Verhältnis" übersetzt
wird.
Menschliche Proportionen nach Vitruv von Leonardo da Vinci (1509)
Später beschäftigte sich der Franziskanermönch Luca Pacioli di Borgo San Sepolcro (1445 - 1514), der an der Universität von
Perugia Mathematik lehrte, mit Euklids Arbeiten. Er nannte diese Streckenteilung
Göttliche Teilung, was sich auf Platons Identifizierung der Schöpfung mit den fünf platonischen Körpern bezog, zu deren
Konstruktion der Goldene Schnitt ein wichtiges Hilfsmittel darstellt. Sein gleichnamiges Buch "De Divina Proportione" ist jedoch
ein rein mathematisches Werk, das keinerlei Bezug zur Kunst und Architektur herstellt. Gleichzeitig verfasste er eine Abhandlung
über die Schriften des Römers Vitruv aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. zur Architektur, in
denen Vitruv die Proportionen des menschlichen Körpers als Vorlage für Architektur darstellt. Leonardo da Vinci (1451-1519), der 7 Jahre lang Schüler Paciolis in Mailand war, illustrierte dieses Buch mit einer Studie über den vitruvischen Menschen. Das Verhältnis von
Quadratseite zu Kreisradius in diesem berühmten Bild entspricht mit einer Abweichung von 1,7% dem Goldenen Schnitt, der jedoch im
zugehörigen Buch gar nicht erwähnt wird.
In Abhandlungen verschiedener Autoren im 19. Jahrhunderten insbesondere von dem Philosophen Adolf Zeising (Lit.: Zeising, 1854) wurden diese beiden Schriften zu der These kombiniert, Pacioli hätte in der "De Divina
Proportione" in Zusammenarbeit mit Leonardo da Vinci einen Zusammenhang zwischen Kunst und Goldenem Schnitt hergestellt und damit
seine Wiederentdeckung für die Malerei der Renaissance begründet. Zeisig war von der Existenz eines Naturgesetzes der Ästhetik überzeugt, dessen Basis der
Goldene Schnitt sein müsse. Er suchte und fand den Goldenen Schnitte überall. Seine Schriften verbreiteten sich rasch und
begründeten eine wahre Euphorie bezüglich des Goldenen Schnitts. Andererseits zeigt eine Literaturanalyse, dass vor Zeisig
niemand in den Werken der Antike oder Renaissance den Goldenen Schnitt zu erkennen glaubte. Entsprechende Funde sind daher heute
unter Kunsthistorikern eher umstritten.
Die Bezeichnung Goldener Schnitt wurde erstmals 1835, nur wenige Jahre zuvor,
von Martin Ohm (1792-1872; Bruder von
Georg Simon Ohm) in einem Lehrbuch der Mathematik verwendet (Lit.: Ohm, 1835).
Gustav Theodor Fechner, ein Begründer der
experimentellen Psychologie, stellte 1876 bei Untersuchungen mit Versuchpersonen anhand von
Rechtecken in der Tat eine Präferenz für den Goldenen Schnitt fest (Lit.: Fechner, 1876 u.
[1] (http://www-ojt.fh-reutlingen.de/sectio-aurea/Seiten66+67.pdf)). Die Ergebnisse bei der
Steckenteilung und bei Ellipsen fielen jedoch anders aus. Neuzeitliche Untersuchungen zeigen, dass das Ergebnis solcher
Experimente stark vom Kontext der Darbietung abhängt. Fechner fand ferner bei Vermessungen von Bildern in verschiedenen Museen
Europas, dass die Seitenverhältnisse im Hochformat im Mittel etwa 4:5 und im Querformat etwa 4:3 betragen und sich damit deutlich
vom Goldenen Schnitt unterscheiden.
Anfang des 20. Jahrhundert fanden die Schriften des Rumänen Matila Costiescu
Ghyka (1927) zum Goldenen Schnitt Beachtung, der den religiösen Aspekt von Pacioli mit dem ästhetischen von Zeisig verband.
Er interpretierte den Goldenen Schnitt als fundamentales Geheimnis des Universums und führte dazu vor allem Beispiele in der
Natur an.
Ende des 20. Jahrhunderts suchte die Kunsthistorikerin Marguerite Neveux mit röntgenanalytischen Verfahren unter der Farbe von Originalgemälden, die
angeblich den Goldenen Schnitt enthalten, vergeblich nach entsprechenden Markierungen oder Konstruktionsspuren (Lit.: Neveux, 1995).
Architektur
Frühe Hinweise auf die vermutlich unbewusste Verwendung des Goldenen Schnittes stammen aus der Architektur. Nach Angaben des
griechischen Geschichtsschreibers Herodot wurde die Cheops-Pyramide so konstruiert, dass der Flächeninhalt jeder der vier Seitenflächen gleich dem
Quadrat der Pyramidenhöhe ist. Daraus ergibt sich, dass die Höhe der Seitenfläche zur Hälfte der Basiskante im
Verhältnis des Goldenen Schnittes steht. Andererseits wurde nach jüngeren Vermessungen die These aufgestellt, dass das Verhältnis
2:? an anderer Stelle die tatsächlichen Maße noch besser widerspiegelt.
Viele Werke der griechischen Antike werden als Beispiele für die Verwendung des Goldenen Schnittes angesehen wie
beispielsweise die Vorderfront des 447?432 v. Chr. unter Perikles erbauten Parthenon-Tempels auf der Athener
Akropolis. Da zu diesen Werken keine Pläne überliefert sind, ist nicht bekannt, ob diese Proportionen bewusst oder intuitiv
gewählt wurden.
Auch in späteren Epochen finden sich zahlreiche Beispiele goldener Proportionen, wie beispielsweise die Königshalle in
Lorsch (770 n. Chr.) und der
Dom von Florenz.
Der Architekt und Maler Le
Corbusier (1887?1965) entwickelte ab 1940 ein einheitliches Maßsystem basierend auf den menschlichen Maßen und dem Goldenen Schnitt. Er
veröffentlichte es 1949 in seiner Schrift Der Modulor, die zu den bedeutendsten Schriften der Architekturgeschichte beziehungsweise -theorie gezählt wird. Bereits 1934 wurde ihm für die Anwendung mathematischer Ordnungsprinzipien von der Universität Zürich der Titel doctor honoris causa
der mathematischen Wissenschaften verliehen.
Kunst
Inwieweit die Verwendung des Goldenen Schnittes in der Kunst zu besonders ästhetischen Ergebnissen führt, ist letztlich eine
Frage der jeweils herrschenden Kunstauffassung. Viele Künstler setzten ihn
bewusst ein, bei vielen Werken wurden Kunsthistoriker erst im Nachhinein fündig. Diese Befunde sind jedoch angesichts der Fülle
von Kandidaten für den Goldenen Schnitt beispielsweise in einem reich strukturierten Gemälde oft umstritten.
So werden zahlreichen Skulpturen griechischer Bildhauer, wie dem Apollo von Belvedere, der Leochares (um 325 v. Chr.) zugeschrieben wird, oder Werke von Phidias
(5. Jhd. v. Chr.) als Beispiele für die Verwendung des Goldenen Schnittes interpretiert. Auf letzteren bezieht sich auch die
heute oft übliche Bezeichnung ? für den Goldenen Schnitt, die von dem amerikanischen Mathematiker Mark Barr eingeführt wurde. Die ebenfalls
gelegentlich verwendete Bezeichnung ? bezieht sich dagegen auf das griechische Wort "tome" für "Schnitt".
Man kann ihn auch in vielen Gemälden der Renaissance finden, wie bei Raffael,
Leonardo da Vinci und Albrecht Dürer (zum Beispiel beim
Selbstbildnis von 1500 und beim Kupferstich Melancolia I von 1514).
Künstler der Neuzeit, die den Goldenen Schnitt bewusst einsetzten, sind
beispielsweise Mondrian, Paul Signac und Georges
Seurat.
Auch in der Fotografie wird der Goldene Schnitt zur Bildgestaltung
eingesetzt, wie beispielsweise von dem französischen Fotograf Henri Cartier-Bresson
Im Buchdruck wurde früher gelegentlich die Nutzfläche einer Seite, der so
genannte Satzspiegel, so positioniert, das das Verhältnis von Bundsteg zu
Kopfsteg zu Außensteg zu Fußsteg sich wie 2:3:5:8 verhielt. Diese Wahl von Fibonacci-Zahlen approximiert den Goldenen
Schnitt.
Künstler und Handwerker benutzten im 19. Jahrhundert zur Konstruktion
beziehungsweise zur Überprüfung des Goldenen Schnittes oft einen so genannten Goldenen Zirkel. Er bestand oft aus einem
Zirkel, dessen beide Schenkel x-förmig nach oben zu einem
zweiten Zirkel verlängert waren, und dessen Schenkellängen so gewählt waren, dass das Verhältnis der beiden eingestellten
Abschnitte den Goldenen Schnitt bildete. Andere Instrumente hatten die Form eines Storchschnabels.
Musik
Der Goldene Schnitt wird gelegentlich näherungsweise in Strukturkonzepten von Musikstücken gefunden. So hat Béla Bartók ihn häufig verwendet. Seine Sonate für zwei Klaviere und
Schlagzeug enthält ihn in vielfältiger Weise. Beispielweise wählte er für die Länge des ersten und des zweiten der beiden
Sätze die Längen von 2457 und 3975 Achtelnoten. Die bei ganzen Zahlen unvermeidliche Abweichung vom Goldenen Schnitt entspricht
nur einem Bruchteil einer Achtelnote.
Da in der Musik der Wohlklang von Tönen auf ihrem rationalen Frequenzverhältnis beruht, spielt der
Goldene Schnitt in den Tonleitern allenfalls in der experimentellen Musik eine
Rolle. Selbst unter den Tonintervallen, deren
Frequenzverhältnis aufeinanderfolgenden Fibonacci-Zahlen entspricht, ragt lediglich die Quinte mit 3:2 heraus, was sich beispielsweise im Quintenzirkel manifestiert. Die Bedeutung der großen Sexte mit 5:3
und der kleine Sexte mit 8:5 für die Musik übersteigt dagegen diejenige anderer
Intervalle nicht unbedingt auffallend.
Dagegen wird der Goldene Schnitt gelegentlich im Musikinstrumentenbau verwendet. Insbesondere beim Geigenbau soll er für besonders klangschöne Instrumente bürgen. So wird auch behauptet, dass der berühmte
Geigenbauer Stradivari den Goldenen Schnitt verwendete, um die klanglich optimale Position der F-Löcher für seine Violinen zu berechnen.
Biologie
Proportionen des menschlichen Körpers
Im 19. Jahrhundert war die Ansicht weit verbreitet, der Goldene
Schnitt sei ein göttliches Naturgesetz und in vielfacher Weise auch in den Proportionen des menschlichen Körpers realisiert. So
nahm Adolf Zeising in seinem
Buch über die Proportionen des menschlichen Körpers (Lit.: Zeising, 1854) an, dass der Nabel die Körpergröße im Verhältnis des Goldenen Schnitts teile, und der untere Abschnitt werde
durch das Knie wiederum so geteilt. Ferner scheinen die Verhältnisse benachbarter Teile der
Gliedmaßen wie beispielsweise bei Ober- und Unterarm sowie bei den Fingerknochen ungefähr in diesem Verhältnis zu stehen. Eine
genaue Überprüfung ergibt jedoch Streuungen des Verhältnisses im 20-Prozent-Bereich. Oft enthält auch die Definition, wie
beispielsweise die Länge eines Körperteils exakt zu bestimmen sei, eine gewisse Portion Willkür. Ferner fehlt dieser These bis heute eine wissenschaftliche Grundlage. Es dominiert daher weitgehend die Ansicht, dass
diese Beobachtungen lediglich die Folge gezielter Selektion von benachbarten
Paaren aus einer Menge von beliebigen Größen sind.
Botanik
Anordnung von Blättern im Abstand des Goldenen Winkels von oben betrachtet. Das Sonnenlicht wird optimal genutzt.
Das spektakulärste Beispiel für die Realisierung des Goldene Schnitts in der Natur findet sich bei der Anordnung von Blättern (Phyllotaxis) und in Blütenständen mancher Pflanzen. Bei diesen Pflanzen teilt der Winkel zwischen zwei aufeinanderfolgenden Blättern
den Vollkreis von 360° im Verhältnis des Goldenen Schnittes, wenn man die beiden Blattwurzeln durch eine Parallelverschiebung eines der Blätter entlang der Pflanzenachse
zur Deckung bringt. Es handelt sich um den Goldenen Winkel von etwa 137,5°.
Beispiele sind die Sonnenblume, Kohlarten, Kiefernnadel an jungen Ästen, Zapfen, Agaven, viele Palmen- und Yuccaarten und die Blütenblätter der Rose, um nur einige zu nennen.
Ursache ist das Bestreben dieser Pflanzen, ihre Blätter auf ausreichenden Abstand zu halten. Es wird vermutet, dass sie dazu
an jeder Blattwurzel einen Inhibitor produziert, einen speziellen
Wachstumshemmer, der im Planzenstamm vor allem nach oben, in geringerem Umfang aber auch in seitlicher Richtung diffundiert. Dabei bilden sich in verschiedene Richtungen bestimmte Konzentrationsgefälle aus. Das nächste Blatt entwickelt sich an einer Stelle des
Umfangs, wo die Konzentration minimal ist. Dabei stellt sich ein bestimmter Winkel zum Vorgänger ein. Würde dieser Winkel den
Vollkreis im Verhältnis einer rationalen Zahl m/n teilen, dann
würde dieses Blatt genau in die gleiche Richtung wachsen wie dasjenige n Blätter zuvor. Der Beitrag dieses Blattes zur
Konzentration des Inhibitors ist aber an dieser Stelle gerade maximal. Daher stellt sich ein Winkel mit einem Verhältnis ein, das
alle rationalen Zahlen meidet. Die Zahl, die in diesem Sinne die irrationalste aller Zahlen ist, ist nun aber gerade der Goldene Schnitt (siehe unten). Da bisher kein
solcher Inhibitor isoliert werden konnte, wird auch die These diskutiert, dass diese Vorgänge in analoger Weise durch
Konzentrationsverteilungen von Nährstoffen gesteuert werden.
Der Nutzen für die Pflanze könnte darin bestehen, dass auf diese Weise von oben einfallendes Sonnenlicht optimal genutzt wird, eine Vermutung, die bereits Leonardo da Vinci äußerte. Allerdings gibt
es auch Pflanzen dieser Art, deren Organisation keine Maximierung der Lichtausbeute erfordert. Bei anderen Pflanzen wiederum
treten Blattspiralen mit anderen Stellungswinkeln auf. So wird bei manchen Kakteenarten ein Winkel von 99,5° beobachtet, der mit der Variante der Fibonacci-Folge 1, 3, 4, 7, 11, ...
korrespondiert. In Computersimulationen des Pflanzenwachstums
lassen sich diese verschieden Verhaltensweisen durch geeignete Wahl der Diffusionskoeffizienten des Inhibitors provozieren.
Fichtenzapfen mit 5, 8 und 13 Fibonacci-Spiralen.
Bei vielen nach dem Goldenen Schnitt organisierten Pflanzen bilden sich in diesem Zusammenhang so genannte Fibonacci-Spiralen aus. So
bilden die Schuppen eines Fichtenzapfens 5 Spiralen in die eine Richtung und 8 in die andere. Bei einer Ananas
mittlerer Größe sind 8 und 13 Spiralen zu sehen. Gelegentlich ist sogar noch ein dritter Spiraltyp zu erkennen. Spiralen dieser
Art sind besonders gut zu erkennen, wenn der Blattabstand im Vergleich zum Umfang des Pflanzenstammes besonders klein ist. Sie
werden nicht von aufeinander folgenden Blättern gebildet, sondern von solchen im Abstand n, wobei n eine
Fibonacci-Zahl ist. Solche Blätter befinden sich in enger Nachbarschaft, denn das n-fache des Goldenen Winkels ? ist
ungefähr ein Vielfaches von 360° wegen
,
Sonnenblume mit 34 und 55 Fibonacci-Spiralen.
Berechneter Blütenstand mit 1000 Samen im Goldenen Winkel. Es stellen sich 13, 21, 34 und 55
Fibonacci-Spiralen ein.
wobei m die nächst kleinere Fibonacci-Zahl zu n ist. Da jedes der Blätter zwischen diesen beiden zu einer
anderen Spirale gehört, sind n Spiralen zu sehen. Ist n/m größer als ? so ist das Verhältnis der beiden
nächsten Fibonacci-Zahlen kleiner und umgekehrt. Daher sind in beide Richtungen Spiralen zu aufeinander folgenden Fibonaccizahlen
zu sehen. Der Drehsinn der beiden Spiralentypen ist dem Zufall überlassen, sodass beide Möglichkeiten gleich häufig
auftreten.
Besonders beeindruckend sind Fibonacci-Spiralen in flachen Blütenständen wie beispielsweise bei Sonnenblumen, Gänseblümchen und Disteln.
Pflanzenarchitektonisch entsprechen den einzelnen Samen Blätter,
wobei jedes einzelne einem eigenen Kreis um den Mittelpunkt des Blütenstandes zugeordnet werden kann, so als hätte man einen
Pflanzenstamm mit seinen Blättern wie ein Teleskop zusammengeschoben.
Wachtumstechnisch aufeinander folgende Samen liegen daher räumlich weit auseinander, während direkte Nachbarn wieder einen
Abstand entsprechend einer Fibonacci-Zahl haben. Im äußeren Bereich von Sonnenblumen zählt man 34 und 55 Spiralen, bei größeren
Exemplaren sogar 55 und 89. Die Abweichung vom mathematischen Goldenen Winkel, die in diesem Fall nicht überschritten wird,
beträgt weniger als 0,01 Prozent.
Der Goldene Schnitt lässt sich natürlich auch über radiärsymmetrische fünfzählige Blüten konstruieren wie beispielsweise bei
der Glockenblume, der Akelei und
der (wilden) Heckenrose. Der Abstand der Spitzen von Blütenblättern nächster
Nachbarn zu dem der übernächsten steht wie beim regelmäßigen Fünfeck üblich im diesem Verhältnis. Das betrifft natürlich auch
Seesterne und andere Tiere mit fünfzähliger Symmetrie.
Goldener Schnitt im Efeublatt
Darüber hinaus wird der Goldene Schnitt auch im Verhältnis der Längen aufeinander folgender Stängelabschnitte mancher Pflanzen
vermutet wie beispielsweise bei der Pappel. Auch im Efeublatt stehen die Blattachsen a und b (siehe Abbildung) ungefähr im Verhältnis des Goldenen
Schnittes. Diese Beispiele sind jedoch umstritten.
Astronomie
Seit langem ist bekannt, dass die Umlaufzeiten mancher Planeten und Monde in Verhältnis kleiner ganzer Zahlen stehen wie beispielsweise Jupiter und Saturn mit 2:5 oder die Jupitermonde Io, Ganymed und Europa mit 1:2:4. Solche Verhältnisse stabilisieren diese Bahnen langfristig gegen kleinere Störungen.
Erst 1964 wurde entdeckt, dass auch hinreichend irrationale Verhältnisse, wie sie beispielsweise im Fall 1:? vorliegen würden,
stabilisierend wirken können. Derartige Bahnen werden KAM-Bahnen genannt, wobei die drei Buchstaben für die Namen der Entdecker A. N. Kolmogorov, V. I. Arnold
und J. Moser stehen.
Physik
Der Goldene Schnitt tritt auch bei den Quasikristallen der Festkörperphysik in
Erscheinung, die 1984 von D.
Shechtman und seinen Kollegen entdeckt wurden. Dabei handelt es sich um Strukturen mit fünfzähliger Symmetrie, aus denen sich aber, wie bereits Kepler erkannte, keine streng periodischen Kristallgitter aufbauen lassen, wie dies bei Kristallen üblich ist. Entsprechend groß war die Überraschung, als man bei Röntgenstrukturanalysen Beugungsbilder mit fünfzähliger Symmetrie
fand. Diese Quasikristalle bestehen strukturell aus zwei verschieden rhomboedrischen Grundbausteinen, mit denen man den Raum zwar lückenlos, jedoch ohne globale
Periodizität füllen kann. Beide Rhomboeder setzten sich aus den selben rautenförmigen
Seitenflächen zusammen, die jedoch unterschiedlich orientiert sind. Die Form dieser Rauten lässt sind nun dadurch definieren,
dass ihre Diagonalen im Verhältnis des Goldenen Schnittes stehen.
Mathematische Eigenschaften
Herleitung des Zahlenwertes
In der mathematischen Literatur bezeichnet man den Goldenen Schnitt mit einer Verhältniszahl oder ?. Aus der oben angegeben Definition folgt

und daraus die quadratische Gleichung
- ?2 - ? - 1 = 0
mit einer Lösung

Die zweite Lösung der quadratischen Gleichung ist negativ und ergibt deshalb als Verhältniszahl keinen Sinn.
Zusammenhang mit den Fibonacci-Zahlen
Der Zusammenhang zwischen dem Goldenen Schnitt und der Fibonacci-Folge an erschließt sich unmittelbar über deren Bildungsgesetz
an+1=an+an-1. Danach gilt für das Verhältnis aufeinander folgender Fibonacci-Zahlen
.
Sofern dieses Verhältnis gegen einen Grenzwert ? konvergiert, muss daher für ihn gelten
.
Diese Beziehung gilt aber gerade für den Goldenen Schnitt, wie der Vergleich mit der ersten Gleichung des vorangehenden
Abschnitts zeigt.
Der Goldene Schnitt als irrationalste und nobelste aller Zahlen
Der Goldene Schnitt ist eine irrationale Zahl, das heißt er lässt sich nicht als Bruch zweier ganzer Zahlen darstellen. Von
großer Bedeutung für seine Rolle in der Kunst und in der Natur ist seine besondere Eigenschaft, in gewissen Sinne die
irrationalste aller Zahlen zu sein. Diese Eigenschaft äußert sich darin, dass er sich besonders schwer durch rationale Zahlen
approximieren lässt. Das ist beispielsweise bei der ebenfalls
irrationalen Kreiszahl ? nicht der Fall. Sie lässt sich durch den Bruch 22/7 mit
einer Abweichung von nur 0,04% approximieren. Einen derartig geringen Fehler würde man im allgemeinen erst bei einem sehr viel
größeren Nenner erwarten.
Der Goldene Schnitt lässt sich direkt aus der Forderung nach maximaler Irrationalität konstruieren. Um das zu verstehen,
betrachte man das folgende Verfahren zur Approximation beliebiger Zahlen durch einen Bruch am Beispiel der Zahl ?. Wir zerlegen
diese Zahl zunächst in ihren ganzzahligen Anteil und einen Rest, der kleiner als 1 ist: ?=3+Rest. Der Kehrwert dieses
Restes ist eine Zahl, die größer als 1 ist. Sie lässt sich daher wiederum zerlegen in einen ganzzahligen Anteil und einen Rest
kleiner 1: ?=3+1/(7+Rest). Verfährt man mit diesem Rest und allen folgenden ebenso, dann erhält man die so genannte
unendliche Kettenbruchdarstellung der Zahl ?

Man kann nun zeigen, dass man die Brüche, mit denen man ? optimal approximieren kann, genau dann erhält, wenn man diesen
Kettenbruch an irgendeiner Stelle abbricht. Je nach Abbruchstelle erhält auf
diese Weise die Zahlen 3, 22/7, 333/106, 355/113, ..., die rasch gegen ? streben. Für jeden einzelnen dieser Brüche gilt, dass es
keinen Bruch mit einem kleineren Nenner gibt, der ? besser approximiert.
Im obigen Kettenbruch erscheint vor jedem Pluszeichen eine ganze Zahl. Je größer diese Zahl ist, umso kleiner ist der Bruch,
in dessen Nenner sie steht, und umso kleiner ist daher auch der Fehler, der entsteht, wenn der unendliche Kettenbruch vor diesem
Bruch abgebrochen wird. Die größte Zahl im obigen Abschnitt des Kettenbruchs ist die 15. Das ist der Grund, warum 22/7 eine
derart gute Approximation für ? darstellt.
In Umkehrung dieser Argumentation folgt nun, dass die Approximation besonders schlecht ist, wenn die Zahl vor dem Pluszeichen
besonders klein ist. Die kleinste zulässige Zahl dort ist aber die 1. Der Kettenbruch, der ausschließlich Einsen enthält, hält
daher von allen rationalen Zahlen maximal Abstand, und ist in diesem Sinn die irrationalste aller Zahlen. Für den Goldenen
Schnitt gilt nun aber ?=1+1/? (siehe oben), und daraus ergibt sich durch wiederholte Anwendung
Das heißt, der Goldene Schnitt ? ist die irrationalste aller Zahlen. Bricht man diese Kettenbruchzerlegung an irgendeiner
Stelle ab, so erhält man stets einen Bruch aus zwei aufeinanderfolgenden Fibonacci-Zahlen.
Zahlen, deren unendliche Kettenbruchdarstellung ab irgend einer Stelle nur noch Einsen enthält, bezeichnet man als noble Zahlen. Der Goldene Schnitt ist damit
auch die nobelste Zahl.
Weitere mathematische Eigenschaften
- Aus ?2 = 1 + ? lässt sich folgende unendliche Kettenwurzel herleiten:
-

- Das Quadrat ?2 = ? + 1 und jede höhere ganzzahlige Potenz von ? lassen sich als Summe aus einem Vielfachen von ?
und einem Vielfachen von 1 darstellen. Auf dieser Eigenschaft beruht die fundamentale Bedeutung des goldenen Schnitts für
quasiperiodische Gitter (siehe Quasikristall).
- In der Trigonometrie gilt unter anderem:
-
- sin(?/10) = (?-1)/2 (?/10 ist die Hälfte des Winkels in der Spitze des Pentagramms.)
- sin(3?/10) = ?/2 (3?/10 ist die Hälfte des stumpfen Außenwinkels des Pentagramms.)
- Der goldenene Schnitt ? spielt für das Fünfeck eine ähnliche Rolle wie die
Kreiszahl ? für den Kreis.
- Der goldene Schnitt lässt sich auch mit Hilfe der Eulerschen Zahl
und der hyperbolischen Areasinus-Funktion ausdrücken:
-
.
- Kurioserweise kann man (1+?5)/2 allein mit der Ziffer 5 beschreiben, sofern man, wie bei Taschenrechnern üblich, die Nullen
vor dem Komma weglässt:
-

Literatur
- Martin Ohm: Die reine Elementar-Mathematik, weniger abstrakt, sondern mehr anschaulich, Band 2, 1835.
- Adolf Zeising: Neue Lehre von den Proportionen des menschlichen Körpers, 1854.
- G. Fechner: Zur experimentalen Ästhetik, 1871.
- G. Fechner, Vorschule der Ästhetik, 1876.
- Marguerite Neveux, H. E Huntley: Le nombre d?or ? Radiographie d?un mythe, 1995, ISBN 2-02-025916-8
- Hans Walser: Der Goldene Schnitt, Teubner, ISBN 3-8154-2511-5 oder vdf, ISBN 3-7281-2336-6.
- P. H. Richter, H.-J. Scholz: Der Goldene Schnitt in der Natur, in: Ordnung aus dem Chaos, Hrsg. B.-O.
Küppers, Serie Piper, S. 175-214, 1987, ISBN 3-492-10743-5
- S. King et al., On the mystery of the golden angle in phyllotaxis, in: Plant Cell Environ, 27, S. 685-96,
Juni 2004
Weblinks
- http://www.khg.bamberg.de/comenius/gold/inhgs.htm - Projekt am
Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg
- http://www.nexusjournal.com/Frings.html - Marcus Frings (TU Darmstadt): The
Golden Section in Architectural Theory (kritische Analyse)
- http://www-ojt.fh-reutlingen.de/sectio-aurea/inhalt137,5grad.html
- insbes. Fechners Ergebnisse S. 66-67
- http://www.math.smith.edu/~phyllo Der Goldene Schnitt in der Biologie (englisch).
- http://www.goldennumber.net -
Beispiel für eine eher unkritische Maximal-Sammmlung zum Vorkommen des Goldenen Schnittes (englisch)
- http://mathworld.wolfram.com/GoldenRatio.html
Exzellenter Artikel
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