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Die Abduktion (lat. abductio: "das Wegführen") bedeutet
wörtlich etwa das Wegbewegen von einer 'normalen' Position.
Einfach ausgedrückt, bedeutet Abduktion einen Schluss wie in "Wo Rauch ist, da ist auch Feuer" bzw. genauer ausgedrückt vom
Rauch auf das Feuer (nachdem man die Regel kennt, dass Feuer immer Rauch erzeugt). Dieser Umkehrschluss muss ja
nicht immer stimmen, um beim Beispiel zu bleiben, auch Trockeneis kann etwa "rauchen". Deswegen ist die Abduktion ein streng
formal-logisch nicht korrekter Schluss.
| Inhaltsverzeichnis |
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1 Wissenschaftstheorie
2 Beispiel für eine Anwendung
3 Medizinische Bedeutung
4 Literatur
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Wissenschaftstheorie
Die Abduktion (Hypothese) ist eine - erkenntnistheoretisch (epistemologisch) wichtige - logische Schlussfolgerungsweise, die Charles S. Peirce ergänzend zur Deduktion und Induktion in die Logik eingeführt hat(1). Sie schließt von einem vorliegenden Resultat und einer möglichen oder spontan gebildeten
Regel auf einen Fall. Um ein überraschendes Phänomen erklärbar zu machen, wird eine Regel hypothetisch eingeführt, damit das
Resultat als sinnvoller Fall dieser Regel betrachtet werden kann. Der Semiotiker Umberto Eco hat sie wirkungsvoll als eine detektivische Methode charakterisiert.
Sie eröffnete vermutlich einen Ausweg aus dem theoretischen Dilemma, dass - streng genommen - einerseits eine logische
Ableitung aus Axiomen, die "Deduktion", das "Reich der Ideen" nicht verlässt und also das
"Reich der Wirklichkeit" nicht erreichen kann, und dass anderseits der empirische Weg von den vorfindlichen Tatsachen zu einer
Idee, die "Induktion", nie darauf bauen darf, dort angelangt zu sein, weil jede neu aufgefundene Tatsache alles umstürzen
kann.
Man kann "subsummierende" von "terminogenen" Abduktionen unterscheiden. Die subsummierende Abduktion ordnet das beobachtete
Phänomen schon vorhandenen Bgriffen oder Sätzen zu (z.B. die medizinische Diagnose oder die strafgerichtliche Zuordnung eines
Sachverhalts zu einem gesetzlichen Tatbestand), die terminogene Abduktion sucht nach neuen Begriffen oder Sätzen, die das
beobachtete Phänomen zuordnen bzw. erklären. Ganz ähnlich unterscheidet Kant bestimmende und reflektierende Urteile.
Ob es sich bei der Abduktion tatsächlich um einen logischen Schluss handelt, ist umstritten. (Der gleiche Zweifel läßt sich
aber auch gegen die Induktion in den empirischen Wissenschaften (= Generalisierung der Eigenschaften einer Stichprobe auf ihre
Grundgesamtheit) richten, die auch nur zu Wahrscheinlichkeitsaussagen führt.) Peirce geht davon aus, dass die Abduktion die
einzige Schlussweise ist, die neue Ideen zulässt. Insofern hält er sie für die wichtigste Schlussweise in der Wissenschaft.
Als in diesem Sinne mit der Abduktion verwandt kann man die Analogie bezeichnen.
In der Geschichte der Logik geht die Idee der Abduktion oder Hypothese auf Aristoteles zurück, der sie mit dem Begriff Apagoge erwähnt. Er definiert (in: Erste Analytik II, 25, 69a) die Abduktion als einen Schluss, dessen
Obersatz gewiß und dessen Untersatz zwar ungewiß, aber ebenso glaubwürdig wie Conclusio oder glaubwürdiger als diese ist. Eine Abduktion in diesem Sinne ist also ein
Wahrscheinlichkeitsschluss in der Form eines Syllogismus.
Epistemologisch konkurrierend zur "Abduktion" - bei Aufnahme der zu ihr führenden Fragestellung - wurde bereits im 19. Jahrhundert die Dialektik von Hegel entwickelt, sowie im 20. die endlich-mehrwertige Logik (unter Verzicht auf Aristoteles' "Satz vom ausgeschlossenen Dritten") von Gotthard Günther (Güntherlogik); vgl auch die objektive Hermeneutik von Ulrich
Oevermann.
Beispiel für eine Anwendung
1. Deduktion
Regel (vorliegend): Alle Bohnen aus diesem Beutel sind weiß
Fall (vorliegend oder beobachtet) : Diese Bohnen sind aus diesem Beutel
=> Resultat: Diese Bohnen sind weiß
2. Induktion
Fall (beobachtet): Diese Bohnen sind aus diesem Beutel
Resultat (beobachtet): Diese Bohnen sind weiß
=> Regel: Alle Bohnen aus diesem Beutel sind weiß
3. Abduktion
Regel (vorliegend oder angenommen): Alle Bohnen aus diesem Beutel sind weiß
Resultat (beobachtet): Diese Bohnen sind weiß
=> Fall: Diese Bohnen sind aus diesem Beutel
Medizinische Bedeutung
In der Medizin bezeichnet man mit dem Begriff der Abduktion das Abspreizen z.B. eines Armes oder eines Beines. Das
Gegenteil ist die Adduktion.
Entsprechend werden die Muskelgruppen, die die Bewegung ermöglichen auch als Abduktoren oder Adduktoren bezeichnet
Literatur
(1) Deduction, Induction and Hypothesis; in: Collected Papers Vol. II, 619 bis 644
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